Fragen statt suchen

Neues User Interface für Ihre Website

von Stefan Grill, Head of Innovation bei 3pc

Googeln und dann endlose Listen mit tausenden Suchergebnissen durchforsten? Viel zu anstrengend – wo ich doch auch einfach eine Frage in ChatGPT eintippen kann und in Sekundenschnelle eine gut formulierte Antwort bekomme …

Noch ist die Erinnerung daran recht frisch, wie ChatGPT im November 2022 die Öffentlichkeit verblüffte, am Anfang noch mit einigen „Kinderkrankheiten“ behaftet. Inzwischen ist er so im Alltag angekommen und so ausgereift, dass man manchmal vergisst, dass man sich in natürlicher Sprache mit einer Maschine unterhält. Dank ihres stetig wachsenden „Wissens“ erfassen Chatbots die Intention hinter einer Frage auch immer besser, ein weiterer großer Vorteil gegenüber teils frustrierenden Internetsuchen.

Veränderte Rolle von Websites

Dabei übernehmen Chatbots inzwischen weit mehr als nur Chats, der Weg geht hin zu KI-Agenten, die im Auftrag eigenständig für uns entscheiden und agieren. Beinahe unbemerkt überlassen wir ChatGPT und Konsorten zunehmend die Kontrolle.

Ob wir das wollen, können wir selbst entscheiden. Anders sieht es für die Betreibenden von Websites aus: Denn die tatsächlichen (menschlichen) Besuche auf der Online-Präsenz verringern sich in dem Maß, in dem sich die KI als erklärendes oder agierendes Medium zwischenschaltet. Die Zielrichtung von Websites verändert sich entscheidend, sie werden zu sekundären Informationsquellen. Da nur wenige die Quellen der Bots selbst nochmal überprüfen, sinkt der Traffic – gleichzeitig gerät so die Informationshoheit über das bereitgestellte Wissen in Gefahr.

Neue Nutzungsgewohnheiten mit einbeziehen

Was bedeuten diese Entwicklungen für die Betreiber:innen von Websites? Es heißt, sich den neuen Nutzungsgewohnheiten anzupassen und umso attraktivere Zugänge zum eigenen Content zu schaffen. Zugänge, die Besuchenden das eigene Durchforsten der Inhalte erst mal abnehmen: Auch auf der eigenen Website lassen sich „Antwort-Maschinen“ andocken, bedürfnisorientierte KI-Agenten, die als interaktive User Interfaces bei der Suche nach relevanten Informationen unterstützen.

Statt sich auf oft verkürzte Antworten allgemeiner Chatbots zu verlassen, können Besucher:innen der Website dann Inhalte in natürlicher Sprache durchsuchen und erhalten Antworten auf Basis zuverlässiger Informationen. Ein Angebot, das einlädt, sich vertiefend mit den präsentierten Inhalten zu beschäftigen.

Eigener Seiten-Chatbot dank RAG-System

Für solche Suchen in natürlicher Sprache auf der eigenen Website sind aus technischer Sicht sogenannte RAG-Systeme State-of-the-Art. RAG steht für Retrieval Augmented Generation. Übersetzt bedeutet das: Zunächst sucht das System zur Nutzereingabe passende Inhalte (retrieval). Die Ergebnisse werden an ein KI-Modell geschickt, das die Inhalte in sein „Wissen“ aufnimmt und eine textliche Zusammenfassung generiert (augmented generation).

Dieser Lösungsansatz öffnet neue Möglichkeiten, jenseits der Strategien führender KI-Konzerne. Deren Angebote zielen darauf ab, dass sich ihre Nutzer:innen mit dem begnügen, was der freundliche KI-Chatbot ausgibt.
Websites mit ihren detaillierten Inhalten bilden einen Gegenpol dazu und sind immer noch den Kern des World Wide Web: ein im Prinzip offenes und demokratisches Internet.
RAG auf Websites importiert die neuen Nutzungsgewohnheiten direkt in die Online-Präsenzen und kann so dazu beitragen, die Offenheit eines Internets ohne vorgefiltertes Wissen zu bewahren.

Digitale Souveränität

Positiv auf die Entwicklung solcher RAG-Systeme wirkt sich auch die zunehmende Zahl frei verfügbarer KI-Modelle aus; das verringert die Abhängigkeit von bekannten Größen wie beispielsweise GPT4 von Open.ai (ChatGPT).

Bei 3pc planen und entwickeln wir Lösungen so, dass sie sowohl angebunden an große kommerziellen KI-Modelle funktionieren als auch mit frei verfügbaren. Man kann auch wechseln – beispielsweise um veränderten rechtlichen oder ethischen Compliance-Richtlinien zu folgen oder um Kosten zu sparen. So fördert der Website-Chatbot via RAG gleichzeitig die eigene digitale Souveränität.

RAG-Daten für die Content-Strategie

Anstatt großen KI-Chatbots die Auswahl der Quellen zu überlassen – was ja durchaus zu falschen Informationen oder auch Fehlern der KI führen kann -, behalten Betreibende eigener Website-RAGs die Hoheit über die von ihnen angebotenen Informationen und Daten.
Und sie sehen, welche Suchanfragen User:innen gestellt haben – eine hervorragende Grundlage, um sowohl den eigenen KI-Agenten als auch die Website-Inhalte weiter zu verbessern.

Perspektivisch ließen sich über ein RAG-System sogar zusätzliche Informationsquellen anbinden wie beispielsweise Publikationen, Sammlungen oder Wissensdatenbanken. Statt diese mit großem Aufwand auf die Website zu bringen, könnten sie über den KI-Agenten auf der Website nutzerfreundlich verfügbar gemacht werden.

Wie sich ein Web der KI-Agenten in den kommenden Jahren entwickeln wird, ist offen. Jetzt schon kann man aber davon ausgehen, dass sich das Thema „Suchmaschinenoptimierung“ vor diesem Hintergrund rasch weiterentwickeln wird.

Auch damit beschäftigen wir uns bei 3pc und können Orientierung geben [LINK GEO-Audit]: Der eigene Content muss dort relevant sein, wo die Nutzer:innen sich aufhalten, bei den Suchmaschinen der nächsten Generation. Damit menschliche Besuchende auf der eigenen Website ankommen – wo sie dann ihr Informationsbedürfnis optimal befriedigen können.