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Berlin und Los Angeles wiedervereinigt

Es ist ein Meilenstein für die digitale Archivierung: Der Briefwechsel zwischen dem Architekten Erich Mendelsohn und seiner Frau Louise ist in einem Online-Archiv erstmals global verfügbar. Wir haben mit der Umsetzung des Online-Archivs einen wichtigen Beitrag für das wegweisende Projekt geleistet.

Ein Briefwechsel lebt von der Korrespondenz. Im Falle des Briefwechsels zwischen Erich Mendelsohn und seiner Frau Louise werden die Grenzen der analogen Archivierung deutlich: Wer den Dialog lückenlos verfolgen wollte, musste bislang zwischen Berlin und Los Angeles pendeln. Denn während die 1.410 Briefe Mendelsohns an seine Frau Luise in Berlin verwahrt werden, lagern die 1.328 Briefe Luises in Los Angeles. Nun ist der jahrzehntelange Briefwechsel im digitalen „EMA - Erich-Mendelsohn-Archiv“ zusammengeführt worden. Was bislang Spezialisten vorbehalten war, ist durch die Digitalisierung und Transkription nun für jedermann global verfügbar – ein Meilenstein in Sachen Online-Archivierung. Die digitale Edition des Briefwechsels von Erich und Luise Mendelsohn ist die erste vollständige und systematische Veröffentlichung dieser dichten Folge korrespondierender Dokumente.

Ein Tool für die wissenschaftliche Arbeit: Der Refine!Editor

Das Online-Archiv nutzt die Errungenschaften der digitalen Aufbereitung und Vernetzung. In langjähriger wissenschaftlicher Arbeit wurden die Briefe digitalisiert und transkribiert. Letzteres wurde durch das Editionswerkzeug Refine!Editor möglich, das wir programmiert und damit eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung des ambitionierten Projektes geschaffen haben. Der Refine!Editor ist ein Transkriptionstool auf Basis des von uns entwickelten e-publishers, der in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität und der Staatsbibliothek zu Berlin entwickelt wurde und disloziertes Arbeiten ermöglicht. Insgesamt wurden damit bereits drei Projekte erschlossen, der Nachlass Franz Brümmer und Friedrich Nicolai sowie nun auch das Erich Mendelsohn Archiv.
 

Kompletter Briefwechsel von 1910 bis 1953 online

Mit der gestalterischen und technischen Umsetzung des Online-Archivs haben wir das Projekt komplettiert. Die Briefe sind nun chronologisch über einen Zeitstrahl geordnet, so dass der komplette Briefwechsel von 1910 bis 1953 linear lesbar ist. Neben Einblicken in die Ideenwelt und die Arbeitsweise des international geschätzten Architekten, der als einer der wichtigsten Wegbereiter der architektonischen Moderne gilt, dokumentiert die Korrespondenz eine wichtige Epoche deutscher Zeitgeschichte – thematisiert wird Mendelsohns Einsatz als Soldat im ersten Weltkrieg, der Alltag des deutsch-jüdischen Paares in Berlin, die Emigration nach England 1933 und Aufenthalte in Israel und in den USA, wo beide seit 1941 lebten.
 

Semantic Web

Neben einer Abbildung des handschriftlichen Originals findet sich jeweils ein Transkript. Über Filter sind die Briefe nach Namen, Personen, Orten sowie architektonischen Projekten durchsuchbar. Zusätzlich bereichern wissenschaftliche Fußnoten, weiterführende Links und eine umfassende Indexierung die digitale Edition. Linked Data Techniken des Semantic Web verbinden das Online-Archiv mit dem kartierten Universum geographischer Informationssysteme. Insgesamt ist so eine breite wissenschaftliche und multimediale Kontextualisierung der Korrespondenz entstanden.
Die digitale Edition des Briefwechsels von Erich und Luise Mendelsohn ist ein Projekt der Kunstbibliothek - Staatliche Museen zu Berlin und dem Getty Research Institute (GRI), Los Angeles.

EMA - Erich-Mendelsohn-Archiv