
„Mach es der KI einfach!“
Wie optimiert man Webseiten, damit Suchmaschinen und auch KI-Anwendungen sie finden? 3pc-Experte Ronny Engmann erklärt Funktion und Rolle von SEO und GEO und gibt Tipps, wie Online-Inhalte für KI zitierfähig werden – von Topical Authority über strukturierte Daten bis Calzone.

Ronny, kürzlich habe ich gelesen: „SEO ist tot – GEO ist die Zukunft." Stimmt das denn?
Nein, die SEO – Search Engine Optimization oder Suchmaschinenoptimierung – ist natürlich nicht tot und wird es auch nie sein: Die Optimierung von Webseiten für KI-Suchen, also die GEO (Generative Engine Optimization), ist letztendlich eine Erweiterung, aber kein Ersatz für SEO.
Ohne SEO gibt es keine GEO. Eine gute Suchmaschinenoptimierung ist eine perfekte Basis für eine funktionierende GEO, weil sich beide in ihren Grundprinzipien stark überschneiden – nur das Zielsystem hat sich weiterentwickelt von klassischen Suchmaschinen zu KI-Systemen.
Suchmaschinen existieren ja weiterhin und sie liefern Daten, während KI die Ergebnisse in einen thematischen Zusammenhang einbettet, zusammenfasst und entsprechend der jeweiligen Frage personalisiert.
Ohne SEO gibt es keine GEO: Suchmaschinenoptimierung ist weiterhin ein essenzieller Grundbaustein.
Die beiden Optimierungs-Arten ergänzen sich also?
Ja, genau. Mit der GEO reagieren wir darauf, dass viele mittlerweile lieber auf eine praktische KI-Antwort vertrauen, statt sich durch Listen mit Suchergebnissen zu klicken. Google bietet so eine Antwort inzwischen mit Google AI Overviews (Google AIO) an, noch vor den eigentlichen Suchergebnissen. Das Suchverhalten hat sich geändert.
Mit der SEO hatten wir das Ziel, Webseiten in die Suchmaschinen zu bringen, möglichst weit oben in den Suchmaschinen-Ergebnissen zu erscheinen und dadurch Besucher:innen auf unsere Webseiten zu holen. Mit der GEO bringen wir jetzt die Webseiten zur KI, um so neue Nutzer:innen zu erreichen.
Was heißt das für Website-Betreiber:innen, was sollten sie tun?
Sie sollten beide Such-Formen bedienen. Zur SEO gehört die technische Optimierung der Webseiten ebenso wie guter Content – also gute Inhalte, die themenrelevante Keywords nutzen und Fachwissen im jeweiligen Thema zeigen.
GEO macht Inhalte leicht verständlich für LLMs – das steht für die Large Language Models. Ziel ist hier, dass die KI aus den Website-Inhalten Antworten für Suchanfragen generiert. Und am einfachsten ist das, wenn sie den Content zitieren kann. Wenn man von der KI zitiert wird, führt das wiederum zu Traffic auf der eigenen Website.
Das Suchverhalten hat sich durch KI verändert. Nun geht es darum, als glaubwürdige Quelle in der KI-Antwort zitiert zu werden.
Gibt es Unternehmen oder Branchen, für die GEO besonders relevant ist?
Generell profitieren alle davon. Besonders würde ich GEO Unternehmen aus dem E-Commerce, lokalen Geschäften und Dienstleistern sowie Branchen aus dem Bereich Gesundheit, Finanzen und Recht empfehlen.
Das Suchverhalten hat sich durch KI verändert – viele stellen inzwischen präzise und ausführlich formulierte Fragen an den KI-Assistenten. Statt „Pizza Kreuzberg“ sucht man jetzt nach „Beste Pizzeria mit veganen Optionen auf der Oranienstraße mit Gerichten für unter 12 Euro“. Hier gewinnen diejenigen, die als glaubwürdige Quelle in der KI-Antwort zitiert werden.
Die Suchmaschinenlandschaft verändert sich also – wahrscheinlich auch mit Auswirkungen …
Ja, bei vielen Webseitenbetreibern ging der Traffic durch die Nutzung von ChatGPT & Co. zurück, weil Nutzer:innen nicht mehr auf die eigentlichen Suchmaschinen-Ergebnisse klicken. Wer beispielsweise über Werbung auf der eigenen Website Einnahmen generiert, spürt das natürlich besonders.
Ok, man sollte also zusehen, dass man auch in den KI-Antworten erscheint. Wie kann man denn Inhalte so gestalten, dass sie von KI-Systemen bevorzugt als Quelle genutzt werden?
Indem man der KI die Arbeit so leicht wie möglich macht. Ziel ist ja, zitiert zu werden – also muss man die Inhalte so gestalten, dass sie zitierfähig sind.
Klare Sprache, hohe Fachkompetenz und gute Gliederung, Einsatz strukturierter Daten und mehr: Es geht darum, Inhalte zitierfähig zu gestalten.
Diese Top Themen spreche ich auch in meinen GEO-Schulungen an:
- klare Sprache und präzise Antworten: Fachjargon sollte man möglichst vermeiden oder erklären, damit sich der Kontext des Seiteninhaltes für die KI und letztendlich die Nutzer:innen erschließt.
- direkte Benennung der Entities: Die klare Sprache gilt besonders auch für die Benennung von Personen, Dingen, Konzepten oder Ereignissen. Von Fachbegriffen oder Marketingsprache sollte man auch hier die Finger lassen.
- Fokus auf Themenauthorität (Topical Authority): Wer Themen auf seiner Webseite umfassend und kompetent abdeckt, profiliert sich durch sein Fachwissen.
- Einsatz von Abstracts: Ein kurzer, allgemeinverständlicher Themenüberblick in wenigen Sätzen – gern auch als Bulletpoint-Liste – bietet Mehrwert sowohl für Webseitenbesucher:innen als auch für die KIs.
- FAQ: Wenn die „wichtigen Fragen“ zum jeweiligen Thema als W-Fragen formuliert und zusammenstellt werden, entsprechen sie (mit ein bisschen Glück) den an die KI gestellten Fragen –Antworten können dann direkt übernommen werden.
- Chunking: „Chunking“ bezeichnet das Aufteilen längerer Texte in einzelne Abschnitte. Das geschieht möglichst so, dass jeder Textabschnitt auch einzeln verständlich und zitierbar ist.
- Einsatz strukturierter Daten: Strukturierte Daten nach Schema.org helfen dabei, Inhalte auf einer Website klar zu verstehen. Sie verbessern die maschinelle Interpretierbarkeit, sodass KI-Systeme Inhalte präziser einordnen und häufiger in ihren Antworten verwenden können.
Klare Sprache für Entities … kannst du das nochmal genauer erklären? Oder hast du ein Beispiel?
Ein Restaurant hat eine Speisekarte auf der Webseite, mit einer speziellen Wortwahl, damit die Gerichte interessanter wirken. Statt „Calzone“ steht da also „Thermisch versiegelte Teighülle mit Mehrkomponentenfüllung“ … Wenn jemand beispielsweise bei ChatGPT nach „beste Calzone in Kreuzberg“ fragt, wie groß wird wohl die Chance sein, von der KI zitiert zu werden?
Entities – und dazu gehören auch Angebote aus einer Speisekarte – sollten also klar benannt werden.
"Thermisch versiegelte Teighülle mit Mehrkomponentenfüllung":
Wie hoch ist die Chance, dass die KI das als Antwort auf die Frage nach "beste Calzone in Kreuzberg" zitiert?
Apropos: Welche Rolle spielen User-Generated Content und Social Media für GEO?
User-Generated Content – alles, was andere über ein Angebot schreiben – und Social Media gewinnen im Zuge der GEO nochmal massiv an Bedeutung: Die Daten, die eine KI in Produktbewertungen, Forendiskussionen oder Social Media findet, werden als authentische Nutzer:innenerfahrung geschätzt.
Hilfreiche Einträge können sogar als KI-Antworten herangezogen werden. Taucht man in qualitativ hochwertigen externen Quellen auf, signalisiert das also Relevanz. Das erhöht wiederum die Chance, dass die eigene Website zitiert wird.
Hier sollte man trotzdem den Überblick behalten: Auch negative Bewertungen oder kritische Diskussionen werden als authentisch gewertet! Von daher sollte man aktiv im Reputationsmanagement sein und auf Kritik reagieren.
Welchen Rat würdest du Unternehmen oder Organisationen geben, die heute mit GEO beginnen?
Als erstes: genau wie in Sachen Suchmaschinenoptimierung sollten sie auch in Sachen „Optimierung für KI“ Geduld mitbringen – das funktioniert nicht von heute auf morgen. Kleine Änderungen sind aber eine gute Grundlage, auf der man aufbauen kann. Ein erster Schritt könnte zum Beispiel sein, eine zitierfähige FAQ in die Seiten einzusetzen, ein weiterer, das Ganze mit strukturierten Daten zu hinterlegen.
Bestehende Inhalte sollten auf klare Sprache und präzise Antworten überarbeitet werden, Abstracts die Kernaussauge des kompletten Inhalts herausstellen – so arbeitet man sich durch die möglichen Optimierungen.
Trotzdem gilt: SEO nicht vergessen! Wer in Suchmaschinen nicht auffindbar ist, landet generell seltener in Trainingsdaten der LLMs, also der KI-Anwendungen. Denn die SEO ist ein essenzieller Grundbaustein für die GEO.
KI-Assistenten ändern, wie und vor allem auch wonach wir suchen: Beginnen Sie mit kleinen Änderungen, um in KI-Suchen besser gefunden zu werden, und arbeiten Sie sich nach und nach durch die Optimierungen.
Ronny, ein Blick in die Zukunft: Wie siehst du die Rolle von Suchmaschinen in fünf Jahren? Werden KI-Assistenten Google Search ersetzen?
Ich gehe davon aus, dass wir viele der präziseren Suchanfragen komplett in KI-Chats auslagern. Suchmaschinen werden weiterhin für einfache Fakten und schnelle Suchen genutzt (Suche nach dem Wetter, einer Marke, Dienstleistung etc.), während KI für größere, komplexere Recherchen, Programmierhilfe oder detailliertere Produktsuchen eingesetzt wird.
KI-Assistenten werden Suchmaschinen also nicht ersetzen. Aber sie ändern, wie und vor allem auch wonach wir suchen.
GEO für Ihre Website
Ob Quick-Check, Workshop oder redaktionelle Unterstützung: GEO, die Generative Engine Optimization, wird immer wichtiger. Wir helfen Ihnen, Ihre Website für KI-Suchen fit zu machen.